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Fisch aus dem Container

Forscherteam der htw saar entwick­elt vol­lau­toma­tisierte, geschlossene Aquakul­tur­an­lage zur regionalen Pro­duk­tion von Meeres­fis­chen.
Saar­brück­er Zeitung | 29.05.2018

Fisch gehört weltweit zu den Grund­nahrungsmit­teln. Durch eine anhal­tende Über­fis­chung der Meere und Seen (die Fis­chereierträge stag­nieren seit 1990), ist qual­i­ta­tiv hochw­er­tiger Fisch jedoch zu einem knap­pen Lebens­mit­tel gewor­den. Die Kapaz­itäts­gren­ze der Welt­meere ist heute erre­icht, Alter­na­tiv­en zur zukün­fti­gen Ver­sorgung der Men­schen mit frischem Fisch müssen umge­hend entwick­elt wer­den.

Nicht jede Form der Aquakul­tur hat einen pos­i­tiv­en Ein­fluss auf die Umwelt

Heute stammt bere­its jed­er zweite Speise­fisch aus Aquakul­tur. Aber diese schützt nicht zwangsläu­fig unsere natür­lichen Ressourcen. Inten­sive Pro­duk­tion­ssys­teme, zum Beispiel Teiche oder Net­zkä­fige, nutzen die natür­lichen Gewäss­er und über­las­ten deren Tragfähigkeit. Die Gewäss­er wer­den durch Fut­ter­reste und Auss­chei­dun­gen der Tiere erhe­blich ver­schmutzt. Dies führt zu großem Stress bei den Fis­chen. Krankheit­en wer­den mit Medika­menten behan­delt, was die Qual­ität des Lebens­mit­tels deut­lich reduziert und den betrof­fe­nen Ökosys­te­men schadet.

Eine Lösung zur umweltverträglichen inten­siv­en Aquakul­tur von Fis­chen sind geschlossene Kreis­lauf­sys­teme, die das Wass­er kon­tinuier­lich im Kreis führen und es mit mod­ern­ster Fil­tertech­nik reini­gen. Solche Prozesse wer­den seit 10 Jahren im Insti­tut für Physikalis­che Prozesstech­nik in der htw saar erforscht und entwick­elt. Der ocean[cube] basiert auf diesem Wis­sen. Er ist ein kom­plex­es biotech­nol­o­gis­ches Aquakul­tursys­tem für die artverträgliche, betrieb­ssichere und stan­dor­tun­ab­hängige Pro­duk­tion mariner Fis­charten.

Der ocean[cube] zeich­net sich durch ver­schiedene Inno­va­tio­nen aus: Die Aquakul­tur­an­lage wird auf ein­er Stell­fläche von 100 m² in drei miteinan­der ver­bun­dene Schiff­s­con­tain­er struk­tur­in­te­gri­ert. „Unsere Wasser­auf­bere­itung ist so dimen­sion­iert und intel­li­gent geregelt, dass Rest­stoffe, die durch die Fis­che abgegeben wer­den, rück­stand­s­los aus dem Prozess ent­fer­nt wer­den.“, beschreibt Kai Wag­n­er das Kreis­laufver­fahren. Ergeb­nis ist Wass­er mit „Ozean­qual­ität“. Der Fisch wächst unter best­möglichen Lebens­be­din­gun­gen auf. Das ist Voraus­set­zung für eine nach­haltige Pro­duk­tion. Vol­lau­toma­tisiert und in die Cloud einge­bun­den, kann zudem jed­er ocean[cube] mit der Fir­men­zen­trale kom­mu­nizieren. Die Über­tra­gung funk­tioneller Prozess­dat­en ermöglicht es, jed­erzeit die Pro­duk­tions­be­din­gun­gen zu überwachen, die Effizienz der Anlage zu steigern und den Anla­gen­be­treiber zu unter­stützen. „Als Betreiber unser­er Anlage sehen wir Agrar­be­triebe, die ihre Pro­duk­tion erweit­ern wollen. Die Gas­tronomie und der Lebens­mit­teleinzel­han­del sind poten­zielle Kun­den, ins­beson­dere, wenn Region­al­ität eine beson­dere Rolle spielt. Sie haben dann den Wun­sch, sich von Waren mit schwank­ender Qual­ität unab­hängig zu machen.“, fasst Car­olin Ack­er­mann, die Mar­ket­ingspezial­istin, zusam­men.

Wolfs­barsch und Dorade von nebe­nan

Die vier Grün­der ver­schreiben sich mit ihrer Anlage dem Leitgedanken der Region­al­ität. „Wir set­zen mit dem Konzept ocean[cube] auf eine kleine, regionale Pro­duk­tion­s­menge.“, erk­lärt Chris­t­ian Stein­bach, Ver­fahrensin­ge­nieur in der Gruppe. „Wir pro­duzieren in unserem Con­tain­er jährlich etwa sechs Ton­nen Fisch, zum Beispiel den Wolfs­barsch oder die Dorade. Damit kann durch­schnit­tlich der Bedarf in einem Umkreis von 50 Kilo­me­tern bedi­ent wer­den.“

Ziel der Fir­men­grün­dung ist die Fer­ti­gung von Kreis­la­u­fan­la­gen für eine end­ver­brauch­er­na­he Pro­duk­tion. Kurze Trans­portwege, geringer Energie­ver­brauch und höch­ste Qual­ität wer­den angestrebt.

Der näch­ste Schritt im Pro­jekt ist es, ein Ver­trieb­snetz für die Anla­gen aufzubauen. Wir suchen den Kon­takt zu engagierten und zukun­ft­sori­en­tierten Lebens­mit­telun­ternehmen, denen Region­al­ität und Qual­ität beson­ders wichtig ist. „Bei ihren End­ver­brauch­ern lan­det mit dem Fisch aus dem ocean[cube] ein frisches und bezahlbares Lebens­mit­tel in Bio-Qual­ität auf dem Teller.“, skizziert Daniel Lang die Zukun­ft. „Der ocean[cube] ori­en­tiert sich an den Her­aus­forderun­gen unser­er Zeit. Region­al­ität bedeutet Sicher­heit.“, fasst der Meeres­bi­ologe und Men­tor des Teams, Prof. Dr. Uwe Waller, zusam­men.

Inter­essierte kön­nen sich ab Som­mer 2019 zur Besich­ti­gung des Stan­dortes im Aus­besserungswerk in Bur­bach anmelden und sich vor Ort von den opti­malen Hal­tungs­be­din­gun­gen und dem her­vor­ra­gen­den Geschmack selb­st überzeu­gen.

htw saar | Iris Krämer-Schmeer