Htw Absolventen gelingt ein großer Fang

Studenten der Hochschule für Technik und Wirtschaft entwickeln ein System zur Fischzucht. Dafür gibt’s 800.000 Euro Fördergeld

Saar­brück­er Zeitung | 01.08.2017

Ein erfol­gre­ich­es Unternehmen zu grün­den, das ist das Ziel von Car­olin Ack­er­mann, Daniel Lang, Chris­t­ian Stein­bach und Kai Wag­n­er. Die ersten Schritte dahin haben die vier Absol­ven­ten der Hochschule für Tech­nik und Wirtschaft des Saar­lan­des (HTW) bere­its gemacht. Zum Abschluss ihres Mater­studi­ums haben sie ein Pro­jekt mit dem namen Ocean Cube (Ozean-Wür­fel) entwick­elt, das auch Experten überzeugt. In den näch­sten bei­den Jahren wer­den die Betrieb­swirtin und die drei Inge­nieure an der Entwick­lung ein­er serien­reifen Klein-Anlage für Aquakul­tur arbeit­en. Unter­stützung erhal­ten sie dabei von “Fitt”, dem HTW-Grün­derzen­trum, sowie dem Bun­desmin­is­teri­um für Wirtschaft und dem Europäis­chen Sozial­fonds, die das Pro­jekt in das Exist-Pro­gramm aufgenom­men haben. 800 000 Euro Fördergelder ste­hen dabei zur Ver­fü­gung.

Ab Okto­ber 2017 wird zwei Jahre lang an der Real­isierung von Ocean Cube gear­beit­et. “Wir wer­den rund ein Jahr lang für den Auf­bau der Anlage aufwen­den und diese dann im zweit­en Jahr testen”, erk­lärt Daniel Lang (26), der Elek­trotech­nik studiert hat, den Zeit­plan. Am Ende soll ein mark­treifes Pro­dukt ste­hen: eine kom­pak­te und schlüs­selfer­tige Anlage, die in Klein­se­rien pro­duziert wer­den kann. 100 Quadrat­meter Fläche sowie ein Strom- und Wasser­an­schluss wer­den die Voraus­set­zun­gen dafür sein, Aquakul­tur im Kleinen zu betreiben. Kai Wag­n­er (29), der eben­so einen Abschluss in Elek­trotech­nik hat, erläutert die Idee: “Es geht um die artverträgliche und betrieb­ssichere Pro­duk­tion mariner Fis­charten. Das ist zum Beispiel für Land­wirte eine Option.” Der Fisch, etwa Wolfs­barsch, könne dann region­al vertreiben wer­den. Auch für die Ernährung der Men­schen in der Drit­ten Welt könne dies ein Beitrag sein.

Dass Aquakul­tur funk­tion­ieren kann und bei der Lebens­mit­telver­sorgung eine wichtige Rolle spielt, ste­ht für die Vier außer Frage. “Auf­grund von Über­fis­chung und Mis­s­wirtschaft ist die Pro­duk­tion­s­gren­ze der Welt­meere längst erre­icht. Heute stammt bere­its jed­er zweite Fisch aus Aquakul­tur”, bringt es Chris­t­ian Stein­bach (27), der seinen Mas­ter in Maschi­nen­bau gemacht hat, auf den Punkt. Car­olin Ack­er­mann und ihren Kol­le­gen ist bewusst, dass dabei noch viel Imagear­beit erforder­lich ist — ger­ade im Saar­land, wo man wenig gute Erfahrun­gen mit dem The­ma Fis­chzucht gemacht hat. Die 26-Jährige mit Mas­ter in Mar­ket­ing Sience betont, dass durch den “Landgang der Aquakul­tur” nicht nur Seefisch von höch­ster Qual­ität pro­duziert wer­den kann son­dern, dass es dabei auch um den ver­ant­wor­tungsvollen Ein­satz von natür­lichen Ressourcen geht.

Das Tier­wohl ist ein­er der wichtig­sten Aspek­te bei der Forschung zum Ocean Cube. Deshalb set­zt sich das Team inten­siv mit The­men wie Fis­ch­fut­ter, Wasserqual­ität und Besatzdichte auseinan­der. Hinzu kom­men Tech­nik, Mar­ket­ing sowie Ver­trieb. Entsprechende Erfahrun­gen haben die vier Grün­der während ihres Studi­ums an der HTW gesam­melt. “Wir haben im Labor Aquakul­tur seit 2012 mehrere Pop­u­la­tio­nen ver­schieden­er Fis­charten erfol­gre­ich gezüchtet und den Tieren einen Leben­sraum bere­it­gestellt, der dem natür­lichen in nichts nach­ste­ht”, berichtet Kai Wag­n­er. Bei ihrem Vorhaben erhal­ten sie Unter­stützung von Pro­fes­soren des Insti­tutes für physikalis­che Prozesstech­nik der htw saar und der Wirtschaftswis­senschaften der HTW. Diese berat­en in den Bere­ichen chemis­che Ana­lytik, Strö­mungssim­u­la­tion, Biotech­nolo­gie und Inno­va­tion, sowie Con­trol­ling. Neben den Räum­lichkeit­en im HTW-Grün­derzen­trum ste­ht ihnen kün­ftig auch eine Halle zur Ver­fü­gung, in der die Anlage aufge­baut wird.

Was der ocean(cube) kosten wird, ist noch offen. “Die Anlage wird von uns aus­geliefert, in Betrieb genom­men und im Rah­men eines Ser­vicev­er­trages mit Hil­fe eines Fer­nüberwachungsys­tems betreut”, beschreibt Chris­t­ian Stein­bach das Geschäftsmod­ell. Rund ein Jahr soll es dauern, bis die ersten Fis­che ent­nom­men wer­den kön­nen, zwei bis drei Jahre, bis sich die Investi­tion amor­tisiert hat.

Bis die Anlage auf dem Markt ist, ist noch viel zu tun. “Wir wer­den in den näch­sten zwei Jahren sich­er keinen Urlaub machen”, sagt Daniel Lang ohne Bedauern, denn die vier fiebern dem 1. Okto­ber ent­ge­gen, wenn das Pro­jekt Ocean Cube offiziell startet. Sie seien von ihrer Idee überzeugt und hoch motiviert, erzählt Car­olin Ack­er­mann.

Das Pro­jekt mussten sie im April vor ein­er Experten­jury in Berlin präsen­tieren, im Mai erhiel­ten sie die Nachricht, dass es förderungswürdig sei und eine Laufzeit von 24 Monat­en statt der üblichen 18 gewährt werde. Die Tat­sache, dass die Gutachterkom­mis­sion die Pro­jek­t­laufzeit aus eigen­em Ermessen ver­längert hat, um einen erfol­gre­ichen Abschluss zu garantieren, zeige die Wichtigkeit der Idee und des Konzepts.

von Katha­ri­na Rol­shausen

 

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